Revolution ist, wenn die Uni brennt?

[Ein Kommentar aus der aktuellen uni:press #688 der ÖH Salzburg]

Diese im Titel als Frage formulierte Vorstellung legt die letzte Ausgabe der uni:press nahe, und zwar an prominentester Stelle: Am Titelbild. Ob das als oberflächlicher und vor allem verantwortungsloser Witz oder aber als ernstgemeinter Ausdruck einer konterrevolutionären, reaktionären Haltung gemeint ist, lässt die Redaktion dabei offen.

Der Schwerpunkt der letzten Ausgabe der uni:press galt einem ausgesprochen wichtigen Thema: Der Revolution. Jenem Begriff also, der für grundlegende Veränderungen der Gesellschaftsordnung, für sprunghafte und unhintergehbare Fortschritte im Befreiungskampf der Menschheit steht. Und zwar stets in progressive, positive Richtung. Denn grundlegende Veränderungen kann es zwar auch in negative Richtung geben, doch sind solche historischen Prozesse mit dem Begriff Konterrevolution besetzt. Die Revolution steht für die Hoffnung der Völker dieser Welt, die Barbarei, in die wir schlittern und die sich mittlerweile zunehmend einzementiert, doch noch abzuwenden.

Das Titelbild dieser Ausgabe zeigt einen einsamen Pseudo-Revolutionär, der – sagen wir mit Stolz, aber auch ein bisschen Wehmut – sein Werk betrachtet, das brennende Universitätsgebäude. Sein Werk – denn das Gebäude fällt nicht etwa ungewollt im Kampf gegen die Konterrevolution, sondern es handelt sich offenbar um eine gezielte Attacke. An diesem Bild über die Revolution ist so ziemlich alles falsch, was nur daran falsch sein könnte. Es vermittelt, dass die Revolution eine Sache wäre, die von Einzelnen gemacht werden kann, und die nicht etwa auf den breiten Bevölkerungsmassen fußen muss. Es vermittelt, dass es ganz selbstverständlich sei, dass Revolution eng mit sinnloser Gewalt verknüpft ist. Und dass das Opfer dieser Zerstörungswut ausgerechnet ein Universitätsgebäude ist, das doch lieber als humanistisches Symbol gelten sollte, suggeriert eine antiaufklärerische Grundhaltung der Revolution.

Wie kann diese Text-Bild-Verknüpfung gemeint sein? Als humoresker Hinweis darauf, dass eine gesellschaftlich weit verbreitete Vorstellung von Revolution eng mit sinnloser Gewalt verknüpft ist? Als oberflächliches Wort-Bild-Spielchen in Bezug auf die unibrennt-Bewegung von 2009? Als Hommage an die Devise „Mach kaputt, was dich kaputt macht“?

Ja, die derzeitige Form der Universität macht viele der Beteiligten kaputt. Und ja, die derzeitige Form der Universität soll tatsächlich kaputt gemacht werden, um für eine bessere Uni Platz zu machen. Doch die Universität ist kein Gebäude, sondern ein gesellschaftliches Verhältnis. Und das Motto „mach kaputt, was dich kaputt macht“ hat nur dann einen positiven Sinn, wenn man das, was einen kaputt macht, an der Wurzel packt. Eine bessere Universität wird man nicht dadurch erreichen, dass man die Gebäude, an denen die derzeitige weniger gute Universität stattfindet, niederbrennt, sondern indem man an den gesellschaftlichen Verhältnissen grundlegend etwas zum Besseren ändert. Für eine solche konstruktive Perspektive ist das gewählte Titelbild jedoch denkbar ungeeignet. Völlig egal, mit welcher Absicht die Redaktion dieses Bild gewählt hat – objektiv steht es im Interesse jener politischen und gesellschaftlichen Kräfte, die das prinzipiell ausbeuterische System, in dem wir leben, einzementieren wollen.

Wichtig ist, was das Bild vermittelt. Und aus diesem Grund ist es als nichts anderes wirksam, denn als ein Verstärker für jene falschen Vorstellungen der Revolution, die die wirkliche Revolution in Verruf bringen wollen. Dafür, dass einer der verantwortlichen Redakteure zugleich mitverantwortlich dafür ist, dass das Banner der Studienvertretung Geschichte aus Bildern der französischen, russischen und kubanischen Revolution besteht, verbunden mit dem richtigen und wichtigen Hinweis, dass Geschichte „gemacht“ wird, ist dieses Titelbild doch sehr erstaunlich.

Die Revolution ist eine ernste Sache. Und die uni:press ist die wichtigste und einflussreichste Studierendenzeitschrift Salzburgs. Sie trägt daher eine dementsprechend große Verantwortung. Mit dem Titelbild der letzten Ausgabe kommt die Redaktion entweder ihrer Verantwortung nicht nach – oder aber sie steht hinter den Vorstellungen, die das Titelbild vermittelt. In letzterem Fall aber schlägt sich die Redaktion offen auf die Seite der Reaktion und Konterrevolution.